Der Niagara River
Der Niagara River ist ein Fluss in Nordamerika. Er fließt vom Eriesee in den Ontariosee. Er bildet die Grenze zwischen der Provinz Ontario in
Kanada und dem Bundesstaat New York der USA. Der Fluss ist etwa 56 km lang und beinhaltet die Niagarafälle. Der Fluss verliert in seinem
Verlauf 99 Meter Höhe. Im Fluss liegen zwei große Inseln, Grand Island und Goat Island, beide zu den USA gehörend. Goat Island und das kleine
Luna Island teilen die Niagara-Fälle in drei Teile, die Horseshoe, Bridal Veil und American Falls genannt werden. Navy Island liegt nahe
dem Nordende von Grand Island, Strawberry Island südöstlich von Grand Island.
Die Schifffahrt auf den Großen Seen umgeht den Fluss und die Fälle durch den Welland-Kanal auf der kanadischen Seite, der ein Teil des
sogenannten Saint Lawrence Seaway ist. Der Niagara River und sein Seitenfluss Tonawanda Creek bilden den letzten Abschnitt des
Erie-Kanals, der über den Niagara River in den Eriesee mündet.
Vier Übergänge über den Fluss bilden gleichzeitig Grenzübergänge zwischen den USA und Kanada.
- Die Peace Bridge verbindet den Interstate Highway I-190 in Buffalo, New York, mit dem Queen Elizabeth Way (QEW) in Fort Erie, Ontario.
- Die Rainbow Bridge verbindet Niagara Falls, New York, mit Niagara Falls, Ontario.
- Die Whirlpool Rapids Bridge, oder Whirlpool Bridge, verbindet ebenfalls die beiden Städte.
- Die Lewiston-Queenston Bridge verbindet den I-190 in Lewiston, New York, mit dem Highway 405 in Queenston, Ontario.
Daneben gibt es auch drei Eisenbahnübergänge. Wichtige Städte am Niagara River sind (von Süden her):
- Buffalo, New York
- Fort Erie, Ontario
- Lewiston, New York
- Niagara Falls, New York
- Niagara Falls, Ontario
- Niagara-on-the-Lake, Ontario
- Queenston, Ontario
Der Niagara River wird vor den Niagara Fällen durch Goat Island aufgeteilt.
Der Niagara River fließt unterhalb der Fälle zwischen steilen Abhängen. Die Schlucht ist 11 km lang und beginnt gleich nach
Fällen. Innerhalb dieses Engpasses befinden sich die Whirlpool Rapids, die nach dem gewaltigen Wirbelbecken heißen, das sich an ihrem Ende
gebildet hat. Die Stromschnellen sind 1,6 km lang, man sieht sie am besten von Canyon-Grund aus, den man mittels des Great Gorge Adventure
erreicht. Die Besucher kommen über einen 70 Meter tiefen Aufzug in die untere Schlucht und dort zu einem 73 Meter langen Tunnel. Wenn
sie erstmal am Rand der Stromschnellen sind, können sie dieses gewaltige Schauspiel auf sich wirken lassen und auf einem langen Steg
an ihnen entlangwandern.
Jetzt strömt der Fluß in das Whirlpoolbecken
Niagara-on-the-Lake
Niagara-on-the-Lake (Einwohnerzahl 13.839 im Jahr 2001) ist eine kanadische Stadt in Ontario an der Mündung des Niagara River in den
Ontariosee. Sie liegt gegenüber der US-amerikanischen Stadt Youngstown (New York). Die nächste größere Stadt ist St. Catharines. Weingut
Peller Estates in Niagara-on-the-lake vergrößern Weingut Peller Estates in Niagara-on-the-lake. Der ursprüngliche Name der Siedlung war
Butlersburg, bevor sie im Jahr 1781 den Namen Newark erhielt, als im Verlauf des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges Loyalisten aus den USA nach Norden flohen.
Im Jahr 1792 wurde Newark nach seiner Umbenennung in Niagara für kurze
Zeit die Hauptstadt von Oberkanada, verlor diesen Titel aber an
Toronto, da die Stadt durch ihre unmittelbare Nähe an der US-Grenze
gefährdet schien. Während des Krieges von 1812 wurde die Stadt von
US-Truppen eingenommen und zerstört, bevor diese sich wieder
zurückzogen. Die Stadt wurde von den Briten wieder aufgebaut und hat
heute noch viel von seinem historischen Charme. Der Name Niagara wurde
im Jahr 1880 in den heutigen Namen Niagara-on-the-Lake umbenannt, um
sie von der Stadt Niagara Falls zu unterscheiden.
Niagara-on-the-Lake, angeblich die "schönste Stadt Kanadas", ist heute
ein touristischer Anziehungspunkt. Die Stadt richtet regelmäßig das
bekannte Shaw-Festival aus. Niagara-on-the-Lake gilt außerdem als
berühmtestes Weinanbaugebiet Kanadas. Relativ mildes Klima und gute
Böden bringen qualitativ hochwertige Weine hervor, preisgekrönt ist der
Eiswein. Zu den meist angebauten Rebsorten gehören Riesling,
Müller-Thurgau, Zinfandel und Merlot. Siehe hierzu auch den Artikel Weinbau in Kanada.
Fort Niagara
Fort Niagara ist eine bis in das 17. Jahrhundert zurückgehende
Festungsanlage an der Mündung des Niagara River in den Ontariosee auf
dem Gebiet der Stadt Youngstown im US-Bundesstaat New York. Aufgrund
ihrer strategischen Bedeutung spielte sie in mehreren Kriegen eine
Schlüsselrolle.
Unter französischer Herrschaft
Als erste Befestigung am Standort von Fort Niagara ließ der
französische Entdecker René-Robert Cavelier, Sieur de La Salle im
Frühjahr 1679 das Fort Conti errichten, da es sich als Zwischenstation
für Schiffe eignete, die Nachschub über den See nach Fort Frontenac
brachten, eine wichtige Basis La Salles. Benannt war es nach Louis
Armand de Bourbon, Prince de Conti. Das Fort wurde jedoch noch im
selben Jahr durch ein Feuer zerstört. Zum Bau eines zweiten Forts kam
es im Sommer 1687 durch Jacques-Rene de Brisay, Marquis de Denonville,
den Gouverneur von Neufrankreich (Kanada). Denonville führte einen
Feldzug gegen die zum Stammesverbund der Irokesen gehörenden Seneca;
das Fort sollte deren Unterwerfung dienen. Die 100 Mann umfassende
Garnison wurde jedoch durch Kälte, Hunger und Krankheiten so dezimiert,
dass die Ablösung im Frühjahr 1688 nur noch 12 Überlebende vorfand.
Daraufhin wurde das Fort wegen seiner isolierten Lage aufgegeben und zerstört.
Im Zuge der Kolonialkriege mit Großbritannien am Ende des 17. und
Anfang des 18. Jahrhunderts begannen die Franzosen den Bau einer Reihe
von Befestigungen, mit denen sie die Briten aus dem Gebiet der Großen
Seen fernhalten wollten. In diesem Zusammenhang bauten sie 1726 mit der
Erlaubnis der Irokesen in der Nähe einer 1720 von dem Händler
Louis-Thomas Chabert de Joncaire angelegten Niederlassung am Standort
von Fort Denonville ein Steinhaus mit einer Palisadenbefestigung (heute
French Castle). Es diente als Niederlassung für den lukrativen
Pelzhandel und Standort einer kleinen französischen Garnison. Während
des Österreichischer Erbfolgekriegs verstärkten die Franzosen die
Befestigungen, zu Kämpfen kam es jedoch nicht.
Während des folgenden Friedens war Fort Niagara Ausgangspunkt
verschiedener Unternehmungen, mit denen die Franzosen ihre Herrschaft
im Tal des Ohio abzusichern versuchten und eine Kette von Forts vom
Eriesee bis Fort Duquesne (heute Pittsburgh) anlegten. Nach dem
Ausbruch des Franzosen- und Indianerkriegs (Siebenjähriger Krieg) 1754
war das Fort einer der wichtigsten französischen Stützpunkte an den
Großen Seen. Deshalb gab es schon 1755 einen Vorstoß britischer
Miliztruppen unter General William Shirley, der jedoch aufgrund
zahlreicher Verzögerungen nur bis Fort Oswego kam und abgebrochen
werden musste. Daraufhin begannen die Franzosen mit umfangreichen
Verstärkungen des Forts, das mit Bastionen umgeben, vergrößert und mit
Kapazitäten für mehr Truppen versehen wurde. In den folgenden Jahren
war Fort Niagara Basis für zahlreiche Angriffe der mit den Franzosen
verbündeten Indianer auf die britischen Kolonien. Notwendig für die
Sicherheit der Franzosen war die Neutralität der Irokesen. Nachdem es
jedoch dem britischen Indianer-Superintendenten Sir William Johnson
Ende 1758 gelang, diese auf seine Seite zu ziehen, zögerten die Briten
nicht lange mit einem Angriff auf Fort Niagara.
Die Franzosen erwarteten einen Angriff und bereiteten sich darauf vor,
indem sie Verstärkungen schickten und die Befestigungen verstärkten. Im
Sommer 1759 stieße eine britische Armee unter Brigadegeneral John
Prideaux von Albany in Richtung der Großen Seen vor. Ein Teil dieser
Armee aus 2.000 Soldaten und 1.500 Irokesen unter dem Kommando von
Johnson, der nach dem Tod von Prideaux das Gesamtkommando übernahm,
begann am 6. Juli die Belagerung des von 600 Franzosen verteidigten
Forts. 1.500 Franzosen und Indianer versuchten am 24. Juli, den
Belagerungsring zur durchbrechen, erlitten aber eine verlustreiche
Niederlage und mussten sich zurückziehen. Daraufhin blieb dem
Kommandanten, Hauptmann Pierre Pouchot, nichts anderes als die
Kapitulation, die am 25. Juli 1759 erfolgte.
Unter britischer Herrschaft
Die britische Garnison von Fort Niagara war zunächst in einer heiklen
Situation. Die Versorgung dieses isolierten Außenpostens war so
schwierig, dass im Winter 1759-1760 eine Skorbutepidemie ausbrach, der
bis Frühjahr 1760 150 Soldaten zum Opfer fielen. Mit dem Zusammenbruch
des französischen Widerstand im Laufe dieses Jahres veränderte sich die
Rolle von Fort Niagara hin zu der eines Nachschubdepots und
Verkehrsknotenpunkts für die Siedlungen und Forts im Bereich der Oberen
Seen. Gleichzeitig fanden hier auch Verhandlungen statt, mit denen das
Verhältnis zu den zuvor mit den Franzosen verbündeten Indianerstämmen
der Großen Seen verbessert werden sollten. Diese Bemühungen blieben
erfolglos, und der steigende Unwille vieler Stämme über ihre Behandlung
durch die Briten führte im Frühjahr 1763 zum Pontiac-Aufstand,
währenddessen sie acht britische Forts überrannten, die großen
Festungen Fort Pitt und Fort Detroit belagerten und die britische
Herrschaft über das Ohiotal zum Einsturz brachten. Fort Niagara selbst
wurde nicht angegriffen und spielte eine wichtige Rolle als
Ausgangspunkt für Nachschub nach Detroit. Nicht weit entfernt erlitten
die Briten die schwerste Niederlage dieser Auseinandersetzung, als ein
Wagenzug mit Nachschub für Detroit in der Nähe des Devil’s Hole bei den
Niagarafällen in einen Hinterhalt der Seneca geriet, die auch eine zu
Hilfe geschickten Truppe aus Fort Schlosser vernichteten, wobei
insgesamt etwa 80 Soldaten fielen. Im Sommer 1764 zogen die Briten eine
Expedition unter Oberst John Bradstreet in Fort Niagara zusammen, mit
der Detroit entsetzt und der Aufstand an den Großen Seen beendet werden
sollte. Gleichzeitig führte Sir William Johnson mit den Stämmen der
Oberen Seen Verhandlungen am Fort, die dazu führten, dass viele von
ihnen ihre Freundschaft mit den Briten erneuerten. Bradstreets Truppen
konnten ohne großen Widerstand nach Detroit vorstoßen, und die Indianer
gaben ihren Kampf auf, ohne dass es noch zu größeren
Auseinandersetzungen gekommen wäre.
In Fort Niagara beschränkte man sich in den nächsten zehn Jahren
darauf, die Befestigungen soweit intakt zu halten, dass sie
Indianerangriffen (ohne Artillerie) widerstehen konnten. Deswegen
zerfielen Teile des Forts. Erneute militärische Bedeutung begann es ab
1775 mit dem offenen Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs.
Die Garnison sicherte - ähnlich wie ihre französischen Vorgänger - den
Weg zu den Großen Seen, beschützte den Handel, soweit er durch den
Krieg nicht zum Erliegen gekommen war, und diente der Unterstützung
militärischer Operationen im Westen. Von Fort Niagara aus führten die
mit den Briten verbündeten Irokesen und loyalistische (d.h. der
britischen Krone treue Kolonisten) Freikorps - insbesondere die 1777/78
aufgestellten Butler’s Rangers - eine Reihe von verheerenden Angriffen
auf Siedlungen in den Staaten New York und Pennsylvania aus.. Durch den
amerikanischen Vorstoß nach Kanada (Schlacht bei Québec) war Fort
Niagara 1775 eine Zeit lang isoliert, wurde aber nicht direkt bedroht.
1777 waren Teile der Garnison an einem Vorstoß in das Tal des Mohawk
River beteiligt, der General John Burgoynes unglücklichen
Saratoga-Feldzug unterstützen sollte. Amerikanische Truppen unter
General John Sullivan stießen 1779 in die Region vor, um die Irokesen
für ihre Angriffe zu bestrafen, griffen das Fort aber nicht an. Die
Briten mussten im Winter dieses Jahres die Irokesen von Fort Niagara
aus versorgen, da deren Dörfer und Ernten durch Sullivans Feldzug
weitgehend zerstört worden waren. Bis zum Ende des Krieges blieb Fort
Niagara jedoch eine Ausgangsbasis für Überfälle in amerikanisches
Gebiet, eine Durchgangsstation für die aus den USA vertriebenen
„Loyalisten“ und ebenso für Kriegsgefangene auf dem Weg nach Kanada.
Hier wurden auch hunderte von durch die Irokesen verschleppte
amerikanische Zivilisten von den Briten freigekauft. Eine wichtige
Rolle spielte das Fort auch für nachrichtendienstliche Zwecke; von hier
aus wurden amerikanische Truppenbewegungen ausgespäht und Nachrichten
nach Kanada weiter geleitet.
Nach der britischen Niederlage in der Schlacht bei Yorktown 1781 war
der Krieg zwar entschieden, die Feindseligkeiten zogen sich an der
Grenze jedoch noch bis zum Abschluss des Friedensvertrags von Paris
1783 hin. Der in diesem Vertrag festgelegten Grenzziehung zufolge lag
Fort Niagara auf amerikanischem Gebiet und musste von den Briten
geräumt werden. Aufgrund von Streitigkeiten über die Klauseln des
Vertrags verzögerte sich die Räumung des Forts und anderer britischer
Stützpunkte wie Detroit erheblich. Erst im Jay-Vertrag von 1794/95 kam
es zu einer Einigung, der zufolge Fort Niagara und andere britische
Stützpunkte zum 1. Juni 1796 an die USA übergeben werden sollten.
Deshalb zogen im Sommer 1796 amerikanische Truppen in Fort Niagara ein.
Unter amerikanischer Herrschaft
In das bislang nur von Indianern bewohnte Gebiet um Fort Niagara
strömten in den folgenden Jahren zahlreiche amerikanischer Siedler.
Mehrere Städte entstanden. Militärisch befand sich die US-Garnison in
einer heiklen Lage, da die Briten auf der anderen Seite des Niagara
Fort George errichteten, das zwar aus Holzpalisaden bestand, aber höher
lag und deshalb die Position von Fort Niagara artilleristisch
beherrschte, dessen Befestigungen zudem auf einen Angriff von der
Landseite her ausgerichtet waren und deshalb wenig Schutz boten. Die
nächsten US-Truppen lagen hingegen in Oswego, 150 Meilen entfernt.
Als der britisch-amerikanische Krieg von 1812 ausbrach, war Fort
Niagara unterbesetzt und in schlechtem Zustand und somit kaum auf einen
Krieg vorbereitet. In Anbetracht seiner prekären Lage schloss der
Kommandeur Nathaniel Leonard einen Waffenstillstand mit den Briten ab,
der es diesen erlaubte, Truppen abzuziehen und mit diesen Detroit zu
erobern. Nach dem Ablaufen des Waffenstillstands nutzten die Amerikaner
Fort Niagara als Ausgangsbasis für eine Invasion in Kanada, erlitten
aber nach der Überquerung des Niagara in der Schlacht von Queenston
Heights am 13. Oktober 1812 eine schwere Niederlage. Im Zuge dieser
Gefechte kam es zu einem Artillerieduell zwischen Fort Niagara und Fort
George, bei dem ersteres unter so schweres Feuer geriet, dass die
US-Soldaten das Fort räumen mussten. Ein weiteres Gefecht dieser Art
ereignete sich am 21. November.
Nach intensiven Vorbereitungen gingen die USA im Frühjahr 1813 erneut
zum Angriff über. Nach einem heftigen Bombardement von Fort George, das
am 25. Mai begann, überschritt eine Armee unter Generalmajor Henry
Dearborn am 27. Mai den Niagara und vertrieb die Briten aus den Ruinen
von Fort George. Die Invasoren wurden bei ihrem Vorstoß jedoch in den
Schlachten bei Stoney Creek (6. Juni) und Beaver Dams (24. Juni)
geschlagen und zum Rückzug auf den Niagara gezwungen. Im Dezember
räumten US-Truppen auch Fort George und brannten nicht nur dieses,
sondern auch die Stadt Newark nieder, was die Briten zu entsprechenden
Racheakten veranlasste. Da auch Fort Niagara durch den Abzug
zahlreicher Soldaten geschwächt war, unternahmen die Briten in der
Nacht vom 18. auf den 19. Dezember einen Überraschungsangriff, der
durch laxe amerikanischen Sicherheitsvorkehrungen erleichtert wurde.
Den Briten gelang es, das Tor während des Wachtwechsels zu besetzen und
die Garnison nach einem harten Kampf, bei dem 65 der 433 Amerikaner
getötet wurden, zur Aufgabe zu zwingen. Der Kommandeur Leonhard, der
bei seiner Familie im nahen Lewiston übernachtet hatte, wurde am
nächsten Morgen von der britischen Torwache gefangen genommen, als er
seinen Dienst wieder antreten wollte. Seine Gefangennahme bewahrte ihn
vor einem Kriegsgerichtsverfahren. Zur Vergeltung für die
amerikanischen Ausschreitungen in Newark zerstörten die Briten
systematisch die Orte im Umland von Fort Niagara. Einen amerikanischen
Rückeroberungsversuch gab es nicht; die Festung blieb bis zum Ende des
Krieges in britischer Hand. Am 22. Mai 1815 übernahmen wieder
amerikanische Truppen das Fort, die Briten zogen sich nach Fort George
und in das neu angelegte Fort Mississauga zurück. Das rasche Ende der
Spannungen mit Großbritannien verhinderte, dass groß angelegte
Ausbaupläne für Fort Niagara umgesetzt wurden.
Nach der Fertigstellung des Eriekanals 1825 verlor der Niagara seine
Bedeutung als Transport- und Handelsweg, womit auch ein erheblicher
Bedeutungsverlust für Fort Niagara, das deshalb ein Jahr später
aufgegeben wurde. 1826 spielte die verlassene Anlage eine Hauptrolle in
einem Skandal um den ehemaligen Freimaurer William Morgan, der mit der
Preisgabe von Geheimnissen seines Ordens dessen Zorn erregte und
deshalb von Freimaurern entführt und zeitweilig im Pulvermagazin von
Fort Niagara gefangengehalten wurde. Von hier verschwand er schließlich
spurlos. Der Verbleib Morgans ist bis heute nicht bekannt. Der Fall
spielte eine wichtige Rolle, um in New York und den USA Aversionen
gegen die Freimaurer zu schüren. 1828 besetzte die US-Armee das Fort
wieder, dessen Befestigungen nach Unruhen in Kanada 1837 und steigenden
Spannungen in den Jahren darauf erheblich verstärkt wurden. Nach dem
Abflauen dieser Spannungen war das Fort bis zum Ausbruch des
Bürgerkriegs wieder zeitweilig nicht belegt. Aufgrund von
Befürchtungen, dass Großbritannien auf Seiten der Konföderierten in den
Bürgerkrieg eingreifen würde, begannen umfangreiche, wiederum nicht
fertig gestellte Befestigungsarbeiten; Ab 1865 war das Fort wieder
Standort einer Garnison, die unter anderen die von amerikanischem Boden
ausgehenden Aktivitäten irischer Freischärler (Fenier) gegen Kanada zu
unterbinden hatte, die zu erheblichen Spannungen zwischen den USA und
Großbritannien geführt hatten. Fort Niagara blieb in der Folge ein
Standort der US-Armee und wurde erheblich ausgebaut. Während des
Kolonalkriegs auf den Philippinen (1899) diente es als Trainingscamp
für Truppen vor dem Kampfeinsatz. Dieselbe Funktion hatte es auch
während des Ersten Weltkriegs. Währenddessen zerfiel der historische
Teil des Forts, bis schließlich 1927 die Old Fort Niagara Association,
ein Zusammenschluss von am Erhalt des historischen Bauwerks
interessierten Bürgern, die Restaurierung der Bauten und die
Einrichtung eines Museums in die Hand nahm. Während des Zweiten
Weltkriegs diente der neue Teil des Forts wieder als
Ausbildungszentrum, teilweise auch als Kriegsgefangenenlager für
Angehörige des deutschen Afrikakorps. Die bereits 1945 vorhandenen
Pläne für eine endgültige Aufgabe von Fort Niagara wurden durch den
Koreakrieg verzögert und erst 1963 umgesetzt.
Die komplette Anlage wurde nun von der Old Fort Niagara Association
übernommen, die sie seitdem in Zusammenarbeit mit dem New York State
Office of Parks, Recreation and Historic Preservation betreut. Die
Anlagen wurden zur National Historic Landmark erklärt und damit unter
Denkmalschutz gestellt. Die meisten Bauten des 19. und 20. Jahrhunderts
riss man 1965 und 1966 ab, um das Gelände in einen Erholungspark
umzuwandeln. Eine Station der US Coast Guard ist die letzte
verbleibende militärische Einrichtung auf dem Gelände von Fort Niagara.
Hinterm Regenbogen lauert der Tod - Illegale Einwanderer kommen über Kanada
Mit neun Personen ist das kleine Gummifloß nachts auf dem Niagara
unterwegs, nur 1.500 Meter von einer "Point of no Return" genannten
Stelle. Von dort strömt und strudelt der Fluss unaufhaltsam auf die
berühmten Wasserfälle zu, Umkehr für Boote ausgeschlossen. An Bord des
Floßes: ein Pakistaner, seine schwangere Frau mit zwei kleinen Kindern,
drei Inder und ein kanadischer Schleuser, der die Passagiere ans 800
Meter entfernte US-Ufer bringen soll.
Wasser umspült die Füße der Insassen des überladenen Floßes, der
schwache Motor kämpft gegen die Strömung an. Am Ufer angelangt,
klettern die Passagiere in der Dunkelheit von Bord und suchen Schutz
hinter Gebüsch, um auf den Weitertransport zu warten. Doch Beamte der
US-Grenzpolizei haben sie längst entdeckt, und wenig später befindet
sich die gesamte Gruppe in Gewahrsam. Kein Einzelfall: Zwar kommen die
meisten Flüchtlinge, die illegal in die USA gelangen wollen, über die
südliche Grenze aus Mexiko, und hunderte kommen dort alljährlich in der
sengenden Hitze der Wüste ums Leben. Doch immer mehr Menschen versuchen
es auch aus Richtung Kanada.
Und auch dort ist das Risiko hoch. Das Gummifloß war noch eines der
stabileren Gefährte, das Flüchtlingen als Transportmittel diente.
"Trotzdem würde ich mich damit niemals auf den Niagara wagen", sagt
Mike Przbyl von der US-Grenzpatrouille. Entlang der rund 6.500
Kilometer langen Grenze zwischen den USA und Kanada haben Flüchtlinge
häufig mit großer Kälte zu kämpfen, und Brücken mit einladenden Namen
wie "Peace" (Frieden) oder "Rainbow" (Regenbogen) erweisen sich als
schwer überwindbare Hindernisse. Dokumentiert ist der Fall einer
Peruanerin, die an Bord eines Güterzugs über eine der Brücken gelangen
wollte und dabei unter dessen Räder geriet.
Geschichte
In der Vergangenheit war der Niagara River von großer strategischer
Bedeutung als Teil des Wasserwegs vom Sankt-Lorenz-Strom über die
Großen Seen in den Nordwesten der heutigen USA. Da es lange Zeit keine
brauchbaren Landwege gab, spielten diese Wasserwege bei Krieg und
Handel eine entscheidende Rolle. Die Niagara-Fälle wurden auf dem Land
umgangen. Erste französische Befestigungen entstanden 1679, Fort
Niagara als erster dauerhafter Posten 1726. 1759 wurde Fort Niagara von
den Briten erobert, die von dort aus ihre Herrschaft über die
Niagara-Region während des Pontiac-Aufstands und während des
Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs absicherten. Das Land beiderseits
der Ufer war lange Zeit nur dünn besiedelt, neben einzelnen
europäischen Siedlern und Händlern lebten dort vor allem die
Indianerstämme des Irokesenbundes. Obwohl der Unabhängigkeitskrieg 1783
beendet wurde, räumten die Briten Fort Niagara erst 1796 nach dem
Abschluss des Jay-Vertrags. Zu Sicherung der kanadischen Grenze
entstanden auf dem anderen Ufer Fort George sowie Fort Erie. Das
Aufblühen der Siedlungen am Niagara, das mit einer Verdrängung der
Indianer einherging, wurde durch den Krieg von 1812 unterbrochen,
während dem die Region ein Hauptschauplatz der Kampfhandlungen war. Die
USA unternahmen zwischen 1812 und 1814 mehrere vergebliche
Invasionsversuche nach Kanada, eine Reihe von Schlachten spielte sich
in unmittelbarer Nähe des Flusses ab, darunter die Schlacht von
Queenston Heights vom 13. Oktober 1812. In den Städten und Ortschaften
auf beiden Seiten kam es während des Kriegs teils zu schweren
Zerstörungen. Während die Amerikaner u.a. Newark (heute Niagara-on-the
Lake) niederbrannten, zerstörten britische Truppen vom 1813 eroberten
Fort Niagara aus die amerikanischen Siedlungen in der Nähe. Nach dem
Ende des Kriegs gelang jedoch ein rascher Wiederaufbau. Seine Bedeutung
für den Verkehr verlor der Fluss erst durch die Anlage des Eriekanals.
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