Die Niagara Fälle

Allgemein als die 'Niagara Fälle' bezeichnet, ist es nur der Oberbegriff für die drei verschiedenen Abschnitte der Fälle. Die American Falls liegen auf der amerikanischen Seite zwischen dem Prospect Point und Luna Island. Davon der kleine Bridal Veil Fall gleich zwischen Luna Island und Goat Island. Der Horseshoe Fall erstreckt sich zwischen dem Terrapin Point auf Goat Island bis Table Rock auf der kanadischen Seite. Wie gesagt, die American Falls liegen auf der Amerikanischen Seite. Allerdings erleben und fühlen kannst Du die American Falls nur von der amerikanischen Seite aus. Sie in ihrer vollen Pracht sehen aber nur von der kanadischen Seite aus.



Die Niagarafälle sind weltweit eines der aufsehenerregendsten Naturschauspiele, bekannt für ihre atembreaubende Schönheit und für ihre zahlreichen Attraktionen, die dieses Gebiet zu einem großartigen Urlaubsziel machen. Die Fälle verbergen außerdem ein Wunderwerk der hydroelektrischen Ingeneurkunst und gelten in der allgemeinen Vorstellung als das Mekka für Hochzeitsreisende und den Tod herausfordernde Draufgänger.



Die Doppelstadt Niagara Falls beidseitig des Niagara River hier zugleich Grenze zwischen Canada und den USA - lebt überwiegend vom Tourismus. Kaum zu zählen sind die Hotels und Motels an den Ausfallstraßen in Richtung Toronto. Viele von ihnen werben mit Honeymoon Suites & Rates, denn Niagara Falls ist World's Honeymoon Capital. In Canada und den USA bildet eine Hochzeitsreise an die Niagarafälle den krönenden Abschluß jeder traditionellen Eheschließung. Das Vorbild dafür, so heißt es, war einst ein Bruder Napoleons.

Damals lieferten die Fälle und ihre Umgebung noch ein unverfälschtes Naturschauspiel. Mit dem Bau mehrerer Wasserkraftwerke wurde die Wassermenge der Niagara Falls um bis zu 75% vermindert. Ein Nebenmotiv für den Kraftwerksbau war die Absicht, die starke Erosion der Abbruchkante zu bremsen, die eine Verlagerung der Fälle um jährlich rund einen Meter zur Folge hatte. Tatsächlich verringerte sich der Abrieb des Felsens - wie erhofft - auf wenige Zentimeter pro Jahr.

In Niagara Falls ist Parkplatz in der Nähe der Fälle rar. Speziell mit Wohnmobilen steuert man am besten Rapids View Parking Lot an, etwa 2 km südlich der Fälle. Von dort pendelt im Sommer der People Mover (im 15-20 min Takt) über die Whirlpool Rapids bis nach Queenston und stoppt an allen wichtigen Punkten. Die Fahrkarte gilt einen vollen Tag. Es gibt auch ein Park & Ride Ticket für einen Tag und alle Insassen eines Fahrzeugs für $12.

Die Ufer entlang des nur 56 km langen Niagara River wurden auf beiden Seiten parkartig angelegt. In Canada begleitet der Fußgängern und Radfahrern vorbehaltene Niagara Parks Recreational Trail den Fluß von Fort Erie bis Niagara-on-the-Lake. Der Besucherstrom konzentriert sich indessen auf den etwa 2 km langen Abschnitt dieses Weges zwischen der Rainbow Bridge (Hauptgrenzübergang in die USA) und dem Table Rock vor den 670 m breiten Horseshoe Falls.

Im Besucherkomplex Table Rock House befinden sich Restaurant, Souvenirshops und ein Visitor Centre. Auch der Zugang zu den Scenic Tunnels erfolgt durch das Table Rock House. Per Fahrstuhl geht es auf die Journey behind the Falls einen Tunnel mit Aussichtsöffnungen 38 m unter der Kante. Dieses Erlebnis sollte man sich nicht entgehen lassen.

Das Niagara Erlebnis überhaupt ist die Fahrt mit einer der Maid of the Mist Barkassen. Diese Schiffchen fahren bis dicht an die Fälle heran mitten in die Gischt hinein. Die Anlegestelle befindet sich etwa 400 m südlich der Rainbow Bridge auf Höhe der Abzweigung Clifton Hill St vom Niagara Pkwy. Abfahrten im 15-min-Takt (bis ca. 19/20 Uhr), von Mitte Mai bis Mitte Juni und im September/Oktober halbstündlich bis 17/18 Uhr. Trotzdem bilden sich oft lange Schlangen Gummistiefel und Regenmäntel im Fahrpreis enthalten.

Der Missionar Pater Louis Hennepin, der mit dem Entdecker LaSalle reiste,  lieferte den ersten Augenzeugenbericht über die Niagarafälle. Von der Kolonialzeit bis zum Krieg von 1812 fochten erst Briten und Franzosen, dann Briten und Amerikaner um die Kontrolle über den Niagara-Fluß und die strategische Neun-Meilen-Zone rings um die Fälle.

Die ersten Touristen kamen nach dem Krieg von 1812 und die ersten Schaunummern veranstaltete man 1827, um den Tourismus anzukurbeln. Ein abgetakelter Schooner wurde mit Tieren beladen und über die Fälle geschickt. Wageteufel haben die mächtigen Niagarafälle mehr als ein Jahrhundert lang herausgefordert. Die Hauptattraktion waren zunächst die Seiltänzer, von denen sich der berühmteste Great Blondin nannte, welcher 1859 und 1860 auftrat. Blondin überquerte die Niagara-Schlucht nicht nur auf einem Seil balanzierend, er schafte es auch mit verbundenen Augen, auf einem Fahrrad, mit Stelzen, eine Schubkarre schiebend und seinen Manager auf dem Rücken tragend. Bald eiferten ihm weitere Akrobaten nach, wie z.B. Maria Spelterina, die den Niagara 1876 mit an ihre Füße gebundenen Körper überwand.



Die erste Person, die es erfolgreich direkt mit den Katarakten aufnahm, war Annie Taylor,  die sich 1901 mit einem Faß die Horseshoe Falls hinabstürzte. Das Eichenfaß dieser Schullehrerin war mit Kissen ausgepolstert und seinen Boden beschwerte ein Amboß, damit es in aufrechter Position den Fluß hinabtrieb. Seit damals haben es viele Wagemütige versucht, der Fälle mit faßartigen Apparaten Herr zu werden, u.a. auch William Red Hill Jr. mit „The Thing“; das war ein aus 13 aufgeblasenen Schläuchen bestehender innerer Teil, den ein Leinwandgewebe und Fischernetzt zusammenhielten oder Nathan Boya mit einer mit Gummi überzogenen Stahlkugel.Nicht alle dieser Draufgänger hatten das Glück einer Annie Taylor, viele verloren ihr Leben bei der Herausforderung der Niagarafälle.

Zu Berühmtheit, aber ganz ohne Absicht, kam der sieben Jahre alte Roger Woodward, der in den sechziger Jahren nach einem Bootunfall oderhalb der Fälle über die Horseshoe Falls geschwemmt wurde und unverletzt blieb. Am 26. September 1993 gelang es dem Kanadier Dave Murphy als einzigem, Zwei Faßfahrten zu überleben.

22.10.2003
Bislang war es der sichere Tod. Jetzt hat zum ersten Mal ein Mensch einen Sturz in die Niagara Fälle überlebt. Zeugen berichteten dem US-Sender CNN, daß der Mann völlig ruhig über einen Metallzaun geklettert, ins Wasser gesprungen und über die Klippe der 54 Meter hohen Hufeisen-Falls geglitten sei. Er sei aus eigener Kraft in Richtung Ufer geschwommen, sagt Augenzeuge Terry McMullen: "Als wir ein Boot sahen, dachten wir, es solle die Leiche bergen". In TV-Bildern war zu sehen, wie die Polizei den unbekannten Mann festnahm. Bisher hatten nur ein Junge (7), der 1960 mit einer Schwimmweste aus einem Boot stürtzte, und Menschen in Tonnen überlebt. (Sensationslüsterne sollten es sich merken: Niagara-Stunts werden heute durch Geldstrafen bis zu 10.000 Dollar entmutigt.)



Die Niagarafälle werden jede Nacht etwa 3 Stunden lang von einer Batterie von farbigen Scheinwerfern erleuchtet. Man beleuchtete die Fälle erstmals 1860 für den britischen Prinzen von Wales, am Abend als Great Blondin auf dem Seil die UpperGreat Gorge (die obere große Schlucht) des Niagara Rivers überquerte. In den siebziger Jahren des 19.Jahrhunderts hatte jeder Scheinwerfer die Lichtstärke 2000, heute leistet eine Xenon-Gaslampe 250 Millionen Lichtstärken. Im Sommer Freitag abend und an allen kanadischen und amerikanischen Festtagen erhellen Feuerwerke den Himmel über den Fällen.

Von Anfang an waren die Niagarafälle ein bei den europäischen Königshäusern beliebtes Reisziel. Das Gebiet gewann eine fortdauernde Reputation als „Welthauptstadt der Hochzeitreisenden“,  als 1803 Napoleon Bonapartes Bruder Jerome eine Frau aus Baltimore heiratete und auf der Hochzeitsreise die Niagarafälle besichtigte.  (Unglücklicherweise wurde die Ehe zwei Jahre später für nichtig erklärt.) Seit damals wirbt das Gebiet um die Frischverheirateten, die jedes Jahr zu Tausenden kommen.  Viele Personen glauben, daß der Name „Niagara“ von dem Indianerwort „Onguiaahra“ abstammt, das „Wasserdonner“ bedeiten soll. Eine wahrscheinlichere Übersetzung bedeutet „Engpaß“ oder „Durchgang“ und bezieht sich auf den Trageplatz um die Fälle, den die Indianer freihielten. In jedem Fall verwunderten sich Ureinwohner und moderne Menschen gleichermaßen über das furchteinjagende Getöse der Fälle.

Die wahre Stimme von Niagara...
so schrieb der amerikanische Autor Nathaniel Hawthorne im 19. Jahrhundert, „...ist ein dumpfer, gedeckter Donner, der zwischen den Felsen widerhallt“. 1683 schrieb Pater Hennepin, daß die Fälle „ständig donnern und wennder Wind in südlicher Richtung weht, kann man das Geräusch, das sie verursachen...auch mehr als fünfzehn Meilen weit hören.“ (Die Niagarafälle haben viel Autoren beeindruckt, u.a. auch Charles Dickens, der übersiegeschrieben hat: „Niagara prägte sich sofort meinem Herzen ein, als ein Bild der Schönheit.“) Nach geologischen Begriffen sind die 12.000 Jahre alten Niagarafälle ein relativ jinges Phänomen. Vor etwa 20.000 Jahren schuf das Wasser eines abtauenden Gletscher den Niagara-River, der über eine 500 Milionen Jahre alte Felsplatte fließt, die sich Niagara-Abdachung nennt. Mit der Zeit hat der Fluß diese Abdachung erodiert. Wegen der Ersion brach die harte Oberschicht aus Dolomit und Klakstein und stürzte auf die darunterliegende weiche Gesteinsschicht aus Schiefer und Sandstein, auf diese Weise entstanden die Fälle (dieses Phänomen hat sich in der Tat zweimal ereignet), welche allmählich flußaufwärts wandern.

Einen Weg gebahnt
Der Weg entlang des Flussufers ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Wie unglaublich stark muss eine Naturgewalt sein, dass sie sich wie ein Schraubstock in die Erde bohren kann? Diese gewaltige Kraft erschuf auch die Niagaraschlucht. Die in die Tiefe stürzenden Wassermassen formten einst die steinigen Ufer. Im Laufe der Jahre wanderten die Wasserfälle. Zentimeter um Zentimeter fraßen sie sich entlang des Korridors den Fluss hinauf. Elf Kilometer flussabwärts von ihrer heutigen Position haben die Niagara-Fälle ihren Ursprung. Stück für Stück arbeiteten sie sich flussaufwärts. Wie ein Messer zerschnitten sie dabei die Erdoberfläche.



Schnelle Fortbewegung
Zu ihren besten Zeiten legen sie 1,5 Meter im Jahr zurück. Wie aber können sie so schnell wandern, ohne sich dabei selbst zu zerstören? Die harte oberste Gesteinsschicht widersteht der Erosionskraft des schnell strömenden Wassers. Der darunter liegende weichere Schiefer hingegen wird ausgewaschen. Aber auch die oberste Felslage bleibt auf Dauer nicht unbeschadet: eindringendes Wasser macht sie porös. Es bilden sich Spalten, und irgendwann stürzen die Platten in großen Blöcken in die Tiefe. Das Ergebnis liegt zu Füßen des Kataraktes: Steinkolosse zeugen von der gnadenlosen Gewalt des Flusses.







Schritt für Schritt zurück
Auf die weitere Entwicklung der Niagara-Fälle wird der Mensch wohl keinen Einfluss nehmen. Es gibt viele Theorien darüber, dass sie irgendwann einmal versiegen werden. Als erster könnte in vielleicht 2.000 Jahren der amerikanische Wasserfall verschwinden. Der kanadische wird sich weiter Schritt für Schritt zurückverlagern und in den nächsten vielleicht 15.000 Jahren sechs Kilometer flussaufwärts wandern. Einem weicheren Flussbett entgegen - und seinem Niedergang.

Gewaltiges Wachstum
Die heutigen Niagara-Fälle sind nur die letzten einer Abfolge von sehr vielen, unterschiedlichen Wasserfällen. Auf der Reise hierher haben sie ständig ihre Form und Größe verändert - und wurden dabei immer gewaltiger.

Von Eiswasser gespeist
Die Gletscher, die heute nur noch die Polkappen der Weltkugel bedecken, erstreckten sich früher auch über den Norden Amerikas. Vor 14.000 Jahren begann das Eis hier zu schwinden und sich zurückzuziehen. Es lässt riesige Becken voller Schmelzwasser zurück - die Vorläufer der Großen Seen. Bei seinem Rückzug zerstört das Eis ganze Landstriche. Doch eine besonders harte Gesteinsschicht kann ihm widerstehen und überdauert bis heute: das Niagara-Fundament. Über sein Kliff strömen die Wasser und ergießen sich am Ende tosend in die Tiefe.

Wachstum und Schrumpfen
Bei ihrer Entstehung sind die Niagara-Fälle eher unscheinbar. Vor 12.000 Jahren wird ihr Wasser nur aus drei der fünf Seen gespeist. Jahrtausende vergehen. Der Wasserstand ändert ständig seinen Pegel - die Erdkruste verschiebt sich. Dadurch wechselt das Wasser immer wieder seine Richtung. Mit jedem Wechsel der Fließrichtung schrumpft und wächst der Niagara. Vor 4.000 Jahren dann entwickelt er plötzlich seine volle Kraft. Der Fluss bricht in eine uralte Schlucht ein und spült dort loses Geröll aus dem Graben. Es dauert nur einige Tage, bis er sich hindurch gepflügt hat. Seitdem ist die Wasserlage der Großen Seen relativ stabil. Der Niagara jedoch ist wild und ruhelos wie eh und je. Vor nur etwas 700 Jahren spaltet er sich auf. Es muss ein atemberaubender Anblick gewesen sein, als er, zuvor noch in einer durchgehenden 350 Meter breiten Wasserwand, in die Tiefe stürzt.

In die Tiefe
Bei ihrer Vorwärtsbewegung bleiben entlang des Flussbettes eine Serie von tief erodierten Löchern zurück. Durch Messungen ermitteln Wissenschaftler ihre Tiefe. Sie verrät, wie der Wasserfall früher ausgesehen haben muss. Je tiefer die Einbuchtungen, umso mächtiger war er. Die ersten Messungen sind nicht einfach: 1901 unternimmt ein besonders wagemutiger Wissenschaftler den Versuch, die Stromschnellen des Niagara auszuloten. Sein Boot "Fool Killer", zu deutsch "Narrentöter" wird dabei von Edison gefilmt. Das Vorhaben scheitert - glücklicherweise kommt niemand ums Leben.

Riskantes Unterfangen
Vier Jahre später versucht erneut jemand, die Tiefen des Niagara auszuloten. Es ist der Geologe Joseph Spencer. Sein Versuch ist nicht weniger tollkühn. Er macht sich in einem Ruderboot auf den Weg. Er wagt sich bis zu den Wasserfällen vor. Seine Ausrüstung ist einfach - sein Unterfangen höchst riskant. In einer bleibeschwerten Boje bringt er Röhren an, die mit wasserempfindlicher Farbe behandelt sind. Je tiefer die Boje sinkt, umso mehr Wasser dringt ein und desto stärker ist die Reaktion an den Farbröhren. Wurde die Vorrichtung herausgezogen, konnte man genau bestimmen, wie tief sie eingetaucht war. Spencer findet heraus, dass die Vertiefung unter den Wasserfällen der kanadischen Seite 21 Meter beträgt. Auch viele andere seiner Messergebnisse finden sich noch heute in den aktuellen Karten.

Die Vergangenheit erforschen
Auch heutzutage bedient man sich der Messbojen, denn der frühe Wissenschaftler hat noch lange nicht alle Geheimnisse der Niagara-Fälle gelüftet. Das Ausloten der erodierten Stellen lässt Rückschlüsse auf die Wanderung der Niagara-Fälle zu. Nur so erfahren die Forscher, wie die Wasserläufe des Gebietes früher ausgesehen haben müssen.

Messung mit Schallwellen
Ein Abschnitt der Niagara-Schlucht konnte bis heute nicht vermessen werden. Zu turbulent ist die Strömung des Wassers hier. Keith Tinkler ist dabei, diesem Geheimnis mit einer neuen Technik auf die Spur zu kommen. Seine alte Messmethode hat hier versagt. Zwar weiß er, dass es gefährlich werden kann, aber er ist sich seiner Sache sicher: die Stromschnellen werden ihn nicht länger davon abhalten, die Tiefen auszuloten. Sein Plan ist einfach: Die Messung soll mit Hilfe von Schallwellen erfolgen. Das Sonargerät ermittelt einen Querschnitt des Flusses. Um in den Stromschnellen nicht abzutreiben, muss das Boot eine Geschwindigkeit von 32 Stundenkilometern halten. Systematisch wird der Fluss abgefahren und Stück für Stück vermessen.





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