Die amerikanischen Fälle

Die amerikanischen Fälle sind in Wirklichkeit zwei Fälle, die von der Luna Island (Mondinsel) getrennt werden - der große Katarakt und die kleinere Kaskade, der im Vergleich zarte Bridal Veil Falls (Brautschleier-Fall). Den größeren Fall nennt man auch Rainbow Falls wegen der Regenbogen, die sich ständig im Wasserdunst über den Fällen bilden. Zwischen den amerikanischen und kanadischen Wasserfällen lieht die amerikanische Goat Island (Ziegeninsel). Laut überlieferung soll dort vor löngerer Zeit eine einsame Ziege einen besonders strengen Winter überlebt haben, daher der Name. Andere behaupten, daß die Indianer ihre Ziegen auf Goat Island aufbewahrten. Goat Island ist heute Teil des 162 Hektar großen Niagara Reservation State Park. Der 1885 von dem damaligen Gouverneur und späteren Präsidenten Grover Cleveland eingerichtete Park ist der älteste Staatspark Amerikas. Ihn zu besuchen ist sehr einfach, ein "Viewmobil" (Aussichtsbus) dreht ständig die Runde und bringt Touristen zu sechs Haltestellen mit Aussichtspunkten. Das New York State Park Visitor's Center bietet informative Ausstellungen und das Niagara Festival Theater zeigt den aufregenden 3 D Film "Niagara Wonders" auf Großbildleinwand. In dem Park befinden sich außerdem die Aussichtspunkte Prospect Point und Terrapin Point und der New York State Park Observations Tower, ein 86 Meter hoher Turm aus Glas, Aluminium und Stahl, der sich 30,5 Meter über die amerikanischen Fälle erhebt. Von der Turmspitze aus genießt man einen wundervollen Blick. Zwei verglaste Aufzüge bringen die Touristen hinunter in die Schlucht, wo man eines der Maid of the Mist Boote besteigen kann, für eine erinnerungswürdige, wenn auch feuchte Fahrt durch das Becken unterhalb der Niagarfälle.

Der Rundgang Cave of the Winds (Höhle der Winde) beginnt auf Goat Island. Der Besucher wird mit Regenausrüstung versehen und fährt mit einem Aufzug hinab und wandert auf einem hölzernen Gehsteig zu der als Hurricane Deck bezeichneten Plattform vor den Bridal Veil Fall , über schmale Stege, die unterhalb zu Luna Island führen.

Der Niagara River stürzt aus einer höhe von 56 Metern über diese etwas höheren Fälle. Die 323 Meter breiten amerikanischen Fälle führen 10 Prozent des Wassers der gesammten Fälle. Im lauf der Jahre haben sich Felsblöcke und Geröll am Fuß der amerikanischen Fälle aufgehäuft, ein Phänomen das sich Talus nennt (Geröllhalde). Dadurch hat sich die Fallhöhe um fast ein Drittel reduziert. Das Geröll nimmt weiter zu und bereits 1969 hat das Ingeneur-Corps der US-Armee vorübergehend das gesamte Wasser umgeleitet, um die Situation zu untersuchen. Man entschied, daß alles seinen natürlichen Lauf nehmen sollte, denn wenn man den Talus entfernt hätte, wäre möglicherweise die gesamte Felswand eingestürzt. Inzwischen ist das Geröll stellenweise auf zwei Drittel der Fallhöhe angewachsen, in weniger als hundert Jahren könnten die amerikanischen Fälle zu steilen Stromschnellen werden.

Buchstäblich "abgestellt"
1969 lieferten die amerikanischen Wasserfälle selbst eine mögliche Antwort auf die Frage. Ihre Strömung wurde immer schwächer. Unausweichlich schienen die Niagara-Fälle zu versiegen. Im selben Jahr schickte Amerika nicht nur einen Mann auf den Mond, sondern versprach eine weitere Sensation: Die Niagara-Fälle sollten buchstäblich "abgestellt" werden. Forscher wollten herausfinden, wie sie zu retten seien.



Im Juni 1969 staunte die Welt Quer durch den 180 Meter breiten Zulauf der amerikanischen Seite wurde ein Damm gebaut. Schaufel um Schaufel wurden die 50 Stundenkilometer schnellen Wassermassen aufgehalten und zu dem kanadischen Katarakt umgeleitet. Am 12. Juni 1969 staunte die Welt: Die amerikanischen Wasserfälle waren verschwunden. Während der folgenden fünf Monate arbeiteten Ingenieure unermüdlich an dem Felshang. Die Kosten summierten sich schnell auf über eine halbe Million Dollar.



Zahlreiche Vorsichtsmaßnahmen Um den Schiefer vor dem Austrocknen zu bewahren, wurde er ständig mit Wasser besprüht. Bohrproben wurden entnommen, Studien an der obersten Gesteinsschicht durchgeführt und die Risse in den Felswänden untersucht. Zahlreiche Vorsichtsmaßnahmen mussten ergriffen werden, um unangenehme Überraschungen auf der Baustelle zu vermeiden.



Wiederbelebung
Ein Lifting der Niagara-Fälle hätte über zehn Millionen Dollar gekostet, und niemand hätte garantieren können, wie lange die Fixierung gehalten hätte. Die Experten verabschiedeten sich von der Idee. Außerdem: Die Niagara-Fälle sind kein starres, sondern ein sich vorwärts bewegendes Gebilde der Natur, das sich selbst zerstört und dass man nicht einfach zusammenschrauben und an Ort und Stelle fixieren kann. Am 25. November begannen die Arbeiten zur Wiederbelebung der Wasserfälle. Man musste den Niagara nicht groß bitten: Mit gewaltiger Kraft eroberte er sich über Nacht seinen alten Lauf zurück.







Die amerikanischen Fälle seitlich vom Prospect Point aus gesehen.



Die amerikanischen Fälle von Luna Island aus gesehen. Im Hintergrund der Observations Tower und die Rainbow Bridge.



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